Indien/Sri Lanka hat seine traditionelle Medizin - AYURVEDA.

Das Reich der Mitte hat seine TRADITIONELLE CHINESISCHE MEDIZIN.

Die meisten Naturvölker haben ihre jeweils überlieferten Heilpflanzen und SCHAMANISCHEN RITUALE.

Und was haben wir?

Was ist unsere westliche bzw. mitteleuropäische traditionelle Medizin?

Was sind unsere überlieferten Heilungsrituale?

Warum sind uns die Heilungsmethoden aus der großen weiten Welt oft geläufiger als unsere einheimischen Möglichkeiten? Was ähnelt sich in allen Traditionen und was unterscheidet sich? 

  

Ein Blick zurück ins Mittelalter


Die Medizin des europäischen Mittelalters erweckt in uns oft Bilder von grausamen Aderlässen, brutalen Zahnoperationen durch fahrende Bader auf Jahrmärkten, schaurige Tränke aus Spinnenbeinen, Tierkot und Echsenhaut - medizinisches Halbwissen, archaisch, grob und barbarisch.

Die mittelalterliche Medizin basierte vor allem auf der antiken Viersäftelehre, begründet von Hippokrates und Galenos. Man war davon überzeugt, dass Ärzte lediglich Diener der Natur seien und ein gesunder Körper maßgeblich vom Gleichgewicht der Körpersäfte abhing. Na? Sehen Sie hier schon eine erste Parallele?

Nach Ende des Römischen Reiches ging viel von dem antiken Wissen der Medizin verloren und kehrte später über Umwege aus Arabien zurück, vor allem in heimische Klöster. Hier wurde es notiert, aufgeschrieben, gesammelt und ergänzt. Es wurden Klöstergärten mit Heilkräutern angelegt, Kranke behandelt und medizinische Erfahrungen gesammelt. Die Nonne und Heilerin Hildegard von Bingen dürfte den allermeisten von Euch ein Begriff sein.

Allerdings mischte sich Religion, Magie und Aberglaube im Mittelalter ganz gewaltig in die Medizin ein und machte es somit schwer, klare Diagnosen zu stellen und angemessene Heilbehandlungen anzuwenden. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf - der Höhepunkt dieser Denkweise fand sich in den Hexenverbrennungen.

Diese waren leider recht gründlich, so dass ein riesengroßer Teil unseres kollektiven Wissens über Heilkräuter, Schwangerschaft und Geburt, Krankheiten des Kindes, Krankheiten der Frau, Krankheiten des Alters, Rituale, Zeremonien, heilige Plätze, das Wissen um Energieströme uvm. verloren gingen. Dies ist wohl einer der Gründe, warum uns heute die traditionelle Medizin aus Fernost oft näher liegt als unsere einheimische Medizin. Natürlich spielt sicher auch der Tourismus und unsere Neugier auf Exotisches eine Rolle.

Dennoch, es gibt sie, die TEM - die Traditionelle Europäische Medizin! Hinter den Zaubertränken verbirgt sich eine sehr viel weiter entwickelte Heilkunst, die sich auf die Kraft unserer heimischen Pflanzen und Kräuter stützt, unsere Phytotherapie.

 

Moderne Medizin


Und dies, obwohl schon im 10. Jahrhundert durch die Einrichtung von Medizinschulen in Italien langsam und stetig die Ablösung der TEM von der modernen Medizin begann. Vor allem im 19. und 20. Jahrhundert machte die Schulmedizin gewaltige Fortschritte in Forschung und Heilung von Krankheiten.

Ihr ist es zu verdanken, das wir um den Einfluss von Keimen auf unser Immunsystem wissen, dass wir heute nicht mehr an Infektionen zugrunde gehen, dass wir Hygienestandards haben, Antibiotika und auch sinnvolle Impfungen gegen Erkrankungen mit ansonsten zu einem großen Prozentsatz tödlichen Verläufen.



Verbindung

Aber was ist mit den Heilkräutern? Haben sie eine Berechtigung in unserer modernen Welt? Gibt es die TEM - traditionelle europäische Medizin - noch und wie lässt sie sich mit der modernen Medizin verbinden?

Indien und China machen es uns vor. Während meiner Arbeit vor über 4 Jahren in einem chinesischen Krankenhaus durfte ich sehen, dass die modernen Analysen und Apparate genauso zur Anwendung kamen wie die Untersuchungen und Kräutermischungen der TCM.

Nachdem der Patient die schulmedizinischen Untersuchungen hinter sich hatte, bekam er in einem weiteren Behandlungsraum des Krankenhauses Pulsuntersuchungen des TCM Arztes, sowie dessen Empfehlung darüber, welche warmen oder kalten Speisen wann zu essen wären. Das fand ich toll! Eine echte Kombination aus wertvollem überlieferten Wissen und modernen Erkenntnissen.



TEM heute


Ich würde sagen, dass sich Teile der ursprünglichen TEM heutzutage in der Naturheilkunde und auch bei den traditionell ausgebildeten Hebammen wiederfinden. Glücklicherweise in einer hygienischen und fortschrittlichen Form.

Auch gibt es mittlerweile eine Vielzahl von Studien zu Anwendung und Wirkweisen von naturheilkundlichen Verfahren, wie Aderlass, Schröpfen, Homöopathie, orthomolekulare Medizin, Vitamin-Infusionen, Blutegeltherapie, Aromatherapie, Bachblüten, Eigenbluttherapie, Heilfasten, Kneipp-Therapie, Lymphdrainage, Neuraltherapie, Osteopathie, Reflexzonen, Wickel und Umschläge.

Wie man sieht, bietet die europäische Naturheilkunde ein unglaubliches Spektrum an Heilmethoden. Warum also in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah?

Nun, es ist völlig in Ordnung, wenn Sie sich zu einer Heilmethode hingezogen fühlen, die normalerweise in China oder auf Sri Lanka oder in Peru angewendet wird. Was könnte dafür der Grund sein?


Seit geraumer Zeit beschäftigen mich Fragen wie:

Kann eine Erkrankung am besten dort geheilt werden, wo sie entstanden ist? Helfen am besten Pflanzen, die in der Gegend wachsen, wo der Patient wohnt?

Oder hatten wir frühere Leben an anderen Orten und fühlen uns - mit oder ohne Erkrankung - deswegen dort hingezogen?

Liegt die Heilung am Ort unserer Vorfahren, wenn unsere Krankheit aus der Ahnenreihe stammt, also familiär gehäuft auftritt?



Vielleicht gibt es ja in Zukunft Antworten auf diese Fragen. Oder noch mehr Fragen, die uns wieder neue Denkanstöße bringen.

 

Parallelen


Ich sehe absolut Parallelen zwischen der TCM, dem Ayurveda, den schamanischen Heilkünsten aus Mittelamerika und unserer europäischen Naturheilkunde.

1. Alle Naturheilmethoden stellen den Menschen in den Mittelpunkt. Die Schulmedizin stellt dagegen oft die Krankheit und deren Bekämpfung in den Fokus.

2. Alle traditionellen Heilpraktiken gehen davon aus, dass bei einer Erkrankung, egal welcher Art, das Gleichgewicht im Körper gestört ist, wie zum Beispiel das Gleichgewicht der drei Doshas im Ayurveda. Heute können wir Ungleichgewicht labortechnisch im Blut messen, wenn zum Beispiel die Hormonbalance nicht stimmt.

3. Traditionelle Heilkünste behandeln niemals nur Symptome, sondern immer Ursachen.

4. Allem Sein liegen Energieströme zugrunde, wie zum Beispiel bei den Meridianen in der TCM. Schulmedizinisch ist bis heute nicht erklärbar, warum z.B. Akupunktur wirken kann.

5. Traditionelle Heilkunde umfasst ganzheitlich alle Ebenen des SEINS, also Körper, Geist und Seele.

6. Ein Schwerpunkt der traditionellen Heilkunst liegt bei der GesundERHALTUNG, also prophylaktisch gesund leben, denken, bewegen und ernähren, um gar nicht erst zu erkranken.

7. Alle Heilpraktiken sehen die Art der Ernährung als Grundlage von Gesundheit und Krankheit. Zum Beispiel gibt es Fastenzeiten in fast allen Kulturen.

8. Eine wichtige Parallele ist das Maßhalten in allen Lebensbereichen: Licht und Luft, Speise und Trank, Arbeit und Ruhe, Schlaf und Wachen, Anregung und Beruhigung des Gemüts - womit wir wieder bei der Balance wären.

9. Der Heiler heilt nie selbst, er fungiert als Medium zwischen dem erkrankten Körper (oder der erkrankten Seele) und dem großen Ganzen, Mutter Natur, der Heilkraft des Schöpfers, des Universums. Der Heiler ist also ein Vermittler und ausschließlich dafür da, dem Körper bzw. der Seele zu helfen, die eigenen Selbstheilungskräfte wieder zu aktivieren.



Bauchgefühl

Was passt für Sie am besten? Das entscheidet Ihr Bauchgefühl!

Es muss auch nicht immer die gleiche oder nur eine Heilmethode sein. Ich sehe viele Patienten, die zB eine Zeitlang Hilfe in der TCM fanden und dann bei einer anderen Erkrankung damit nicht weiterkamen. Welche, bei denen Infusionen immer nützlich waren, jedoch plötzlich nicht mehr helfen. Die immer zum Osteopathen gegangen sind, nun aber mehr durch eine Ernährungsumstellung profitieren.

Dort, wo es dich hinzieht, ist der richtige Platz für dich.

Dort gibt es für dich, deinen Geist, deinen Körper, etwas zu lernen, etwas zu erfahren.

Dort, wo es dich hinzieht (und manchmal auch dort, wovor du Angst hast), liegt deine Heilung und deine Kraft. 

 

    Besten Dank für diesen Gastbeitrag von


     Naturheilpraxis Eyrin Woithe

www.heilpraktikerin-woithe.de