"Ayurveda" ist eine der alternativen Heilverfahren deren Therapieform oft als besonders "sanfte Medizin" bezeichnet wird und die sich mittlerweile einer großen Beliebtheit erfreut.

Ayurveda (die Wissenschaft vom Leben) ist die traditionelle Medizin Indiens, die ganzheitliche indische Naturheilkunde. Es ist ein Teil der spirituellen "vedischen Wissenschaften" (veda = vollständiges Wissen), die auch Yoga, Meditation und Astrologie einschließen und ein umfassendes Verständnis des gesamten Universums vermitteln sollen.

Ayurveda beschäftigt sich nicht nur mit dem materiellen Körper und wurde Aufzeichnungen zufolge bereits 4000 vor Christus praktiziert.

Es umfasst die Bereiche Kräuterheilkunde, Ernährungslehre, Körperarbeit, Sexualtherapie, Ordnungstherapie, Chirurgie, Psychologie und Spiritualität.  

Durch die hinduistische Kultur verbreitete sich Ayurveda im Osten bis nach Indonesien. Die Buddhisten fügten ihre Erkenntnisse hinzu, so wurde Ayurveda zur Grundlage der Heilsysteme in Tibet, Sri Lanka und Burma und beeinflusste die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM).

Im Westen entwickelten die Griechen (Hippokrates), angeregt durch die indische Heilkunst, ihre alte griechische Heilkunde. Und auch die Heiltraditionen der Römer, Kelten, Germanen und Slawen hatten Gemeinsamkeiten mit Ayurveda. Im Mittelalter und in der Renaissance kamen zahlreiche ayurvedische Kräuter nach Europa, die unter anderem von HeilerInnen wie Hildegard von Bingen verwendet wurden (zum Beispiel Galgant). Noch heute werden etwa 80 Prozent der Bevölkerung Indiens mit ayurvedischen Methoden behandelt. 

Gesundheit ist Harmonie

Gesundheit bedeutet im Ayurveda, in Harmonie mit sich und seiner Umwelt zu sein. Der Grundsatz der ayurvedischen Philosophie ist, Gesundheit zu fördern und Krankheiten zu vermeiden.

Das wird durch die Balance der drei elementaren Lebenskräfte erreicht, die auch die drei Körpersäfte oder Doshas genannt werden: Vata, Pitta und Kapha.  

Von Geburt an dominiert meist eine der drei Kräfte oder eine Mischform von zwei Kräften, seltener sind alle drei Kräfte gleich stark ausgeprägt. Treten Krankheiten auf, ist nach ayurvedischer Ansicht eines der Doshas zu stark ausgeprägt und muss wieder ins Gleichgewicht gebracht werden.

Die Körpersäfte werden durch Einflüsse wie die Ernährung, das Klima, die Jahreszeiten, den Lebensstil und die Gefühle beeinflusst. Ein Überschuss oder Mangel eines Doshas äußert sich durch einen Überschuss oder Mangel der ihm zugeschriebenen Eigenschaften. Wenn überschüssige Körpersäfte in die physischen und energetischen Kanäle des Körpers gelangen, kann der ayurvedischen Medizin zufolge, der Fluss und damit die Versorgung des Körpers gestört werden.

Ist die Verdauung geschwächt, können unverdaute Nahrungsbestandteile gemeinsam mit den Körpersäften die Kanäle blockieren und sich an Schwachstellen des Körpers ablagern, wo in der Folge Krankheiten entstehen. Das Konzept der "Kanäle" oder "Srotas" im Ayurveda hat einerseits Ähnlichkeiten mit dem westlichen System der Blut- und Lymphgefäße etc., andererseits mit dem Meridiansystem der chinesischen Medizin.

Bei der Diagnose wird der Zustand der Doshas durch Puls- und Zungendiagnose, die Untersuchung des Bauches und eine Befragung des erkrankten Menschen festgestellt.

Als wichtig wird auch die so genannte "Prakriti"-Analyse betrachtet. Dieser Überblick über die astrologischen Geburts-Konstellationen, Umstände der Zeugung und der Schwangerschaft soll dem Ayurveda-Therapeuten die "Basisdaten" über den Patienten liefern.

 

Vata

Das Dosha Vata steht, vereinfacht gesagt, für das Element Luft und bedeutet "das, was die Dinge bewegt". Es ist das elementarste der drei Doshas, bringt die Knochen hervor, hält die Atmung und Bewegung aufrecht. Es ist für die sinnliche und mentale Balance zuständig und fördert die geistige Verständnis- und Anpassungsfähigkeit. Die Eigenschaften, die Vata zugeschrieben werden, sind trocken, leicht, kalt, rau, feinstofflich und antreibend.

Vata sitzt vor allem im Dickdarm.

Zu viel Vata führt zu Hyperaktivität, Gewichtsverlust, Zittern, Verspannungen, Verstopfung, Verlangen nach Wärme, zu Schlaflosigkeit, Störungen der Sinne, darüber hinaus zu unzusammenhängendem Sprechen, Benommenheit, Verwirrung und Depression.

Zu den typischen Krankheiten, die Vata zugeschrieben werden, gehören Störungen des Nervensystems, Epilepsie, Lähmungen, Arthritis und Schlafstörungen.

Menschen mit einer Dominanz von Vata sind meist ungewöhnlich groß oder klein, dünn und haben einen schwach entwickelten Körper mit hervortretenden Knochen. Vata-Typen neigen oft zu Furcht und Ängstlichkeit, sind meist unentschlossen, vergesslich und sprunghaft. 

Pitta

Das Dosha Pitta steht, vereinfacht gesagt, für das Element Feuer und bedeutet "das, was die Dinge verdaut". Es ist für alle chemischen und Stoffwechsel-Prozesse im Körper verantwortlich, bringt das Blut hervor, steuert die Körpertemperatur und steht nicht nur mit der körperlichen, sondern auch mit der mentalen Verdauung in Zusammenhang. Die Eigenschaften, die Pitta zugeschrieben werden, sind ölig, scharf, heiß, leicht, unangenehm im Geruch, beweglich und flüssig.

Pitta sitzt vor allem im Dünndarm.

Zu viel Pitta führt zu Gelbfärbungen des Stuhls, des Harns, der Augen und der Haut, sowie zu Hunger, Durst, innerer Hitze, Fieber, Entzündungen und Infektionen.

Zu den typischen Krankheiten, die Pitta zugeschrieben werden, gehören fiebrige und infektiöse Erkrankungen, Leberstörungen, Magengeschwüre, Übersäuerung, Furunkel (Abszess) und Hautausschläge.

Menschen mit einer Dominanz von Pitta sind meist von mittlerer Körpergröße und haben einen mäßig entwickelten muskulösen Körper. Pitta-Typen neigen oft zu Wut und Ärger, sind leicht reizbar, kritisch und haben einen starken Willen.

Kapha

Das Dosha Kapha steht, vereinfacht gesagt, für das Element Wasser und bedeutet "das, was die Dinge zusammenhält". Es bildet den Großteil des Körpergewebes, sorgt für die Substanz, aber auch für positive Emotionen wie Liebe, Mitgefühl, Geduld und Vergebung. Die Eigenschaften, die Kapha zugeschrieben werden, sind nass, kalt, schwer, dumpf, klebrig, weich und fest.

Kapha sitzt vor allem im Magen.

Zu viel Kapha führt zu einer eingeschränkten Verdauung, Übergewicht, Übelkeit, Blässe, Husten, Atemproblemen, geschwollenen Gelenken, Lethargie, Schwere, sowie zu einem Mangel an Aktivität und einem gesteigerten Schlafbedürfnis.

Zu den typischen Krankheiten, die Kapha zugeschrieben werden, gehören Asthma, Bronchitis, Erkältungen, Grippe, geschwollene Drüsen, Ödeme und gutartige Tumore.

Menschen mit einer Dominanz von Kapha sind meist klein und stämmig, untersetzt und haben einen gut entwickelten Körper mit Tendenz zu Fettleibigkeit. Kapha-Typen neigen oft zu Sentimentalität und Romantik, sind meist langsam, konservativ und schüchtern. 

Ayurvedische Behandlung

Krankheiten entstehen - nach ayurvedischer Ansicht - aus zwei Gründen, die zwei unterschiedliche Behandlungsansätze erfordern.

Einerseits können sie physikalische beziehungsweise biologische Gründe haben, etwa ein Ungleichgewicht der Säfte und Energien im Körper. In diesen Fällen wird mit Hilfe von Kräutern, Ernährungsumstellung, Mineralien, Körperarbeit, Yoga, aber auch bei schweren Fällen mit Operationen behandelt.

Um das Gleichgewicht der Doshas wieder herzustellen und den Körper zu entschlacken, sind unter anderem Fastenkuren, Ölmassagen, Bäder, ausleitende Verfahren wie Erbrechen, Einläufe oder Aderlass gebräuchlich. Eine besonders entgiftende Wirkung wird dem Ghee (geklärte Butter) zugeschrieben.

Sollten den Krankheiten andererseits "schicksalshafte" Ursachen zugrunde liegen, also Irrtümer, die in diesem oder einem früheren Leben begangen wurden - zum Beispiel die Wahl des falschen Berufs oder ein Mangel an Liebe - erfordert die Ayurveda-Behandlung eine Veränderung des Lebensstils und der Lebenseinstellung.

Dafür werden Ordnungstherapie, Edelsteine, Yoga, Mantras, Gebete, Meditationen und geistiges Heilen eingesetzt. Der erste Schritt und die Basis für das Verständnis sowie die Auflösung der Krankheit ist die Selbstprüfung, wobei Krankheit als spirituelle Chance und Lernaufgabe begriffen wird. 

Ayurvedische Therapieformen

  • Pancha Karma (Reinigungstherapie durch Einläufe, Nasenspülungen, Abführen, Erbrechen und Aderlass)

  • Abhyanga (sanfte Massage)

  • Vishesh (Tiefenmassage)

  • Garshan (kombinierte Öl- und Trockenmassage)

  • Udvarthana (Massage mit gewebeaktivierenden Substanzen)

  • Pizzichilli (sanfte Ganzkörpermassage unter fließend-warmem Öl)

  • Svedana (Kräuterdampfbad)

  • Basti (Einläufe mit reinigender, beruhigender oder nährender Wirkung)

  • Shirodhara (warmer, kontinuierlicher Ölstrahl auf Stirn und Schläfen)

  • Shirobasti (beruhigendes Einwirken eines Kräuterölbades auf den Kopf)

  • Nasya (vitalisierende, ausleitende Kopfbehandlung)

  • Netra Tarpana (Augenbehandlung)

  • Rasayana Therapie (Schönheit und Verjüngung)

  • Kamasutra Ayurveda und Tantra (Sexualstellungen und -praktiken)