Die Besonderheiten des Iyengar-Yoga

 

Iyengar-Yoga ist eine Form von Hatha-Yoga. Der Körper wird als Tempel der Wahrheit, des Wissens und der Erfahrung betrachtet im Hatha-Yoga.



Alignment


Die Entdeckung der Richtung im Asana ist ein Grundprinzip der Übungspraxis im Iyengar-Yoga. Als besonders wichtig sind neben der präzisen, tiefgreifenden, aber auch achtsamen Ausführung und der Verwendung von Hilfsmitteln Ausrichtung und Aufrichtung (Alignment).

Gemeint ist das Ausrichten der Körperachsen auf mehreren gedachten Linien, die sich auf die Körperhaltung beziehen. Aufrichtung meint u.a. sich dynamisch zwischen Erde (Füße) und Himmel (Kopf) zu befinden und zu bewegen mit der Kraft, die von unten stärkt und stützt und die von oben hält. Aufrichtung meint, innerliche und äußerliche Kraft entwickeln.

Für Iyengar ist Präzision ein Synonym für Klarheit, Achtsamkeit und Wachheit. Erst die genaue und aufrichtige Selbstbeobachtung während der Übungspraxis ermöglicht
einen wirklichen Zugang zu den tieferen Schichten des Seins, ermöglicht Leichtigkeit im Körper und damit Freiheit.

Hierzu unbedingt notwendig ist ein gewisser Grad an Konzentration, der die Tiefe und die Wirksamkeit der Körperhaltungen (Asanas) bestimmt.

 

Timing

Iyengar verstand darunter den Aspekt, mit dem ein Schüler einen Prozess ausführen und erreichen kann. Es wird verstanden als die Zeit zwischen Input und Output. Der Output kann erst einige Zeit nach dem Input aufkommen.

 Es gibt Asanas, in denen der psychisch-mentale Effekt erst nach einiger Zeit auftaucht, uns allen bekannte Beispiele dafür sind der Kopf- und Schulterstand. Hier wären beispielsweise nur wenige Sekunden in der Haltung nicht wirksam.

Durch das Timing wird in unserem System eine Zirkulation erschaffen, die spezifisch für das jeweilige Asana ist. Dies ist sehr wichtig für die Evolution des Bewusstseins oder der Änderung des State of the mind. Es geht aber nicht nur rein um die Zeit nach Stoppuhr (wir sollten nicht die Sklaven unserer Uhr werden) – vielmehr geht es um den Zeitaspekt den ein integrierter Geist auf den Stoffwechsel und Zellprozess hat. Daher erhalten wir im Iyengar Yoga so viele Anweisungen – sie helfen uns den Geist in das Asana zu integrieren!

Prashant Iyengar (der Sohn von BKS) betont, dass erst das Zusammenspiel von Alignment, Sequenzing und Timing in Summe den Zauber des Iyengar Yogas ausmacht, sie arbeiten nur integriert ineinander. Als Schüler ist und soll es unser Bestreben sein auch die Theorie unserer Praxis zu verstehen oder verstehen lernen zu wollen.

 

Die Hilfsmittel


Im Iyengar-Yoga kommt besonders auf die korrekte Ausrichtung (Alignment) der Asanas an. Dazu werden zahlreiche Hilfsmittel verwendet, wodurch der Yoga-Stil auch für Menschen mit verkürzter Muskulatur und bei Krankheit und Behinderung ausgeführt werden kann.

 

Sequenzing

Was den Iyengar Yoga von einigen Yogarichtungen unterscheidet, ist die Tatsache, dass es nicht die eine Standardsequenz gibt. Außerdem wechselt in der Regel der Schwerpunkt alle vier Wochen und wird Woche für Woche durch die Stehhaltungen, Vorbeugen/Drehungen, Rückbeugen und die Regeneration/Pranayama getragen. Hier bildet aber die Regel auch mitunter die Ausnahme. Es kommt ganz darauf an, welcher Schwerpunkt gelegt wird. Manchmal ist auch das Üben eines ganz bestimmten Asanas oder einer Gruppe von Asanas der Schwerpunkt.

Bei der Bildung einer Sequenz ist es im Iyengar Yoga wichtig, Asanas überlegt zu gruppieren und aufeinander folgen zu lassen. Es gibt vorbereitende Haltungen und eine gewisse „Dramaturgie“, die den Übenden möglichst harmonisch von einer Haltung in die nächste gleiten lässt - mit dem Ziel, letztlich den ganzen Leib des Übenden zu berühren und am Ende der Stunde nicht nur einen „Eindruck“, sondern auch eine harmonische Geisteshaltung zu erzielen. Hinzu kommt, dass es physiologische Regeln gibt, die Iyengar Yoga Lehrer befolgen. Zum Beispiel wird der Kopfstand immer VOR dem Schulterstand geübt und nie ohne den Schulterstand.

 

Am Ende einer Sequenz sollte sich Ruhe und Ausgeglichenheit einstellen.

 

All das kannst Du im Iyengar-Yoga-Zentrum erleben – schau doch mal vorbei:

 

Ein Gastbeitrag von Britta Reinhardt 

 

 

Iyengar-Yoga ist nach seinem Begründer B.K.S. Iyengar benannt, der 1918 im Süden Indiens geboren wurde und als Kind schwach und ständig krank war. Aus diesem Grund schickte ihn seine Familie zu dem legendären Yoga-Lehrer Krishnamacharya. Drei Jahre lang lernte Iyengar dort unter strenger Führung Yoga und fand zu körperlicher Gesundheit, bevor er selbst zu unterrichten begann.

B.K.S. Iyengar erforschte die Asanas (Körperhaltungen) im Eigenstudium so genau, wie kaum ein anderer. Dabei nutzte er Hilfsmittel wie Blöcke und Gurte, um besser in die Haltungen zu kommen. Die Hilfsmittel – auch Props genannt – machen es möglich, die Übenden genau dort abzuholen, wo sie mit ihrer körperlichen Verfassung stehen.